"Steirische Spieler haben 57.000 Euro Schulden"

Podiumsdiskussion des KPÖ-Bildungsvereins stieß auf großes Interesse

Am 24. Mai diskutierten Mag. Andreas Neuhold von der Drogenberatungsstelle des Landes Steiermark, KPÖ-Klubobmann Ernest Kaltenegger (Bild) sowie der Jurist Mag. Felix Ehrnhöfer unter der Leitung von Mag. Martin Link (Kleine Zeitung) im KPÖ-Bildungszentrum in der Grazer Lagergasse über das noch immer unterschätzte Problem der Spielsucht.

Eine Diskussion zum Unglück rund ums Glücksspiel zeigte die Probleme klar auf. Höhere Abgaben, echte Limits beim Spielen und weniger Automaten sollen für weniger Spielsucht sorgen.



Spielsucht – ein ernstes Thema in der Steiermark. Mehr als 220 Beratungen verzeichnete die Drogenberatungsstelle des Landes und der Verein B.A.S. zur Suchtberatung im letzten Jahr – so viel wie noch nie, sagt Andreas Neuhold von der Drogenberatungsstelle. Durchschnittlich 57.000 Euro an Spielschulden habe der 42-jährige steirische Durchschnittspieler angehäuft, wobei auf 9 Männer eine Frau kommt. Bis zu 12.000 Steirer sind laut Neuhold spielsüchtig, noch einmal so viele massiv gefährdet. Die Sucht endet immer öfter bei Selbstmordversuchen, nachdem das Familienvermögen verzockt wurde, Mütter und Kinder auf einem Schuldenberg sitzen.

Davon profitieren letztendlich nur die Betreiber diverser Automatencafes und Salons, die den Spielern mit Tricks das Geld unglaublich schnell aus der Tasche ziehen, wie der Jurist Felix Ehrnhöfer weiß: „Der höchste Einsatz beim Kleinen Glücksspiel beträgt 50 Cent. Da gibt es dann sogenannte Würfelspiele vor dem echten Glücksspiel, um Gewinnmöglichkeiten und Einsätze zu erhöhen.“ So lasse sich an einem Abend am einarmigen Banditen locker ein Monatseinkommen und mehr verzocken.

Glücksspiel Betreiber Heinz Lindenau stellte sich mutig der Diskussion. Zumindest alle seine Automaten seien gesetzlich geprüft worden, besagte Würfelspiele zum Erhöhen des Einsatzes seien legale Spiele – allerdings ohne Gewinnmöglichkeit, wie ein Zuhörer einwarf. Lindenau setze auf den Jugendschutz und scharfe Kontrollen: „Wir brauchen das Geld von Jugendlichen wirklich nicht.“ Alleine seine Erklärung der Gewinnmöglichkeiten sorgte für ordentlichen Wirbel im Saal. Die Gewinnquote sei höher als 90 %, mehr als je zuvor, meinte der Glücksspiel-Betreiber. „Ich kenne niemanden, der gewonnen hat“, warf ein Zuhörer lapidar ein. Die Programmierung der Statistik, wann es zu einem Gewinn komme, sei sehr kompliziert, meinte Lindenau. Dass man bei einem Einsatz von 100 Euro 90 Euro zurück bekomme, stimme nicht, die Quote sei auf große Summen bezogen. „Aber wenn Sie um eine Million Euro spielen, bekommen Sie garantiert 900.000 Euro zurück.“ 100.000 bleiben beim Betreiber. Und in Wirklichkeit noch mehr, weil immer um wesentlich kleinere Beträge gezockt wird.

Für die KPÖ sind die Probleme um das Kleine Glücksspiel ein unhaltbarer Zustand. „Wir werden das Spielen nicht unterbinden, die Leute haben immer gespielt und werden immer spielen. Aber wir brauchen wieder Ordnung“, meint KPÖ-Klubchef Ernest Kaltenegger. Der Einsatz von 50 Cent gehöre eingehalten, nur derartige Münzen dürfen eingeworfen werden. Und dann solle es eine Spieldauer von rund 20 Sekunden geben – eine Zeit, in der aktuell locker 40 Euro futsch sein können. „Wenn alles langsamer und mühsamer wird, werden viele davon ablassen. Die Suchtgefahr nimmt ab.“ Höhere Abgaben sollen Therapiemaßnahmen zu Gute kommen, etwa einem stationären Angebot, dass es in der Steiermark nicht gibt. „Derzeit müssen wir die Spielsüchtigen zur Therapie nach Kärnten oder Vorarlberg schicken“, so Drogenberater Neuhold. Rund 20 Betten seien notwendig.

Außerdem gehöre die Zahl der Automaten eingeschränkt. „Das Angebot ist dort am größten, wo es den Menschen ohnehin am schlechtesten geht, wo man davon träumt, das Jammertal verlassen zu können. Da stoßen dann viele auf das Kleine Glücksspiel“, sagt der KPÖ-Klubchef.

Änderung tut Not. Ein Zuhörer gab sich optimistisch: „Ich habe bei Grünen, junger ÖVP und SPÖ nachgefragt. Alle meinten, sie unterstützen der Bemühungen der KPÖ.“ Im Landtag wird sich zeigen, wie ernst es den anderen Parteien wirklich ist.

30. Mai 2009