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Bisphenol A, kurz BPA, ist eine der wichtigsten
und meistproduzierten Chemikalien weltweit und wird seit etwa 40 Jahren im
großtechnischen Maßstab hergestellt. Rund eine Million Tonnen BPA werden
jährlich in Europa hergestellt. Es geht um einen Markt von rund drei Milliarden
Euro. Die größten Produzenten sind BAYER, Dow Chemicals, Sunoco und GE
Plastics.
Es wird zB bei Zahnfüllungen und Thermopapier
in seiner Grundform benutzt. BPA findet sich aber vor allem auch in
Lebensmittelverpackungen aus Polycarbonat, in Plastikflaschen, Babyflaschen,
Trinkbechern oder Plastikgeschirr. Auch Konserven- und Getränkedosen oder
Milchpackungen sind innen mit BPA-hältigen Epoxidharzen überzogen.
Bisphenol A gehört zu einer Gruppe von
Substanzen („Endocrine Disruptors“), die hormonähnlich (östrogen) wirken können.
Es wurde nachgewiesen, dass die Industriechemikalie auch schon bei einer
"außerordentlich niedrigen Dosierung" von 0,02 Milligramm pro Kilogramm
Körpergewicht das Erbgut schädigen und zum Beispiel das bekannte Downsyndrom
verursachen kann.
Der Stoff kann schon in kleinsten Mengen die
Gehirnentwicklung bei Föten, Säuglingen und Kleinkindern schädigen und bei
Erwachsenen zu Leberschäden, Diabetes und Herzerkrankungen führen. BPA kann eine
vergrößerte Prostata, geringe Spermienkonzentration, Verminderung der
Fortpflanzungsfähigkeit, verfrühte Pubertät oder Fettleibigkeit hervorrufen. Bei
über 90 Prozent der Bevölkerung ist Bisphenol A bereits im Körper nachweisbar,
und das meist in weit höherer Konzentration, als für unbedenklich gehalten
werden (Quelle: hb/North Carolina State University).
Wärme, Säuren und Laugen begünstigen das
Herauslösen aus dem Kunststoff. Kochendes Wasser beschleunigt die Rate auf das
55-fache! Je länger man Flaschenkost warm hält, je öfter etwa eine Babyflasche
oder eine Lerntasse mit heißen Getränken gefüllt oder mit heißem Wasser gespült
wird, umso mehr BPA kann sich wieder lösen und in ein Nahrungsmittel übergehen
und umso mehr Bisphenol A wird vom Körper aufgenommen. Säuglinge, deren
Hormonsystem noch nicht ausgereift ist, sind besonders gefährdet. Besonders viel
BPA löst sich aus dem Kunststoff, wenn etwa eine Babyflasche mit Milch in der
Mikrowelle erhitzt wird. Das hat eine Untersuchung von Ökotest ergeben. Die
Tester fanden zwischen 67 und 157 Mikrogramm Bisphenol A je Liter.
In kommunalen deutschen Kläranlagen wurde
bereits eine Zunahme von Bisphenol A im Klärschlamm beobachtet. Es kommt zudem
im Sickerwasser und teilweise auch im Trinkwasser vor. BPA wird mit der Nahrung,
durch die Haut oder durch Einatmen von Staub aufgenommen. Aufgrund der großen
Produktionsmenge ist Bisphenol A auch schon in Hausstaub zu finden (laut Studie
des Österr. Umweltbundesamtes bis zu 8,8 mg/kg).
Bis 2006 galt ein Grenzwert von 10 Mikrogramm
pro Kilogramm Körpergewicht und pro Tag für die maximal aufgenommene Menge pro
Tag. 2007 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den
Grenzwert für Bisphenol A pro Kilogramm Körpergewicht auf europäischer Ebene von
10 auf 50 Mikrogramm/kg pro Tag angehoben. Durch Beschluss der europäischen
Lebensmittelbehörde EFSA ist diese Chemikalie nicht als zulassungspflichtig
eingestuft und erscheint nicht in der aktuellen Liste der
EU-Chemikalienverordnung REACH.
Wissenschaftler kritisieren auf Basis einer
Vielzahl unabhängiger Studien den neuen EU-Grenzwert als viel zu hoch, da schon
geringe Mengen des Stoffes erhebliche negative gesundheitliche Auswirkungen
haben können. So hat das deutsche Umweltbundesamt wegen möglicher
Gesundheitsgefahren das Entfernen der Kunststoff-Chemikalie Bisphenol A aus
Babyflaschen und Kindergeschirr gefordert, da besonders das Hormonsystem von
Neugeborenen höchst empfindlich ist. Kanadas Gesundheitsbehörde hat Bisphenol A
bereits als gefährlich klassifiziert und BPA-hältige Babyflaschen aus
Polycarbonat verboten.
Auch in Österreich und in Europa sollte
Verbrauchersicherheit vor wirtschaftlichen Interessen stehen! Es kann nicht
sein, dass Babys und Kinder dem Schadstoff weiter ausgesetzt werden, obwohl es
allerorten immer mehr Hinweise auf seine Gefährlichkeit gibt.
Dänemark hat in dieser Hinsicht einen mutigen
Schritt gesetzt:
Dänemark hat ein befristetes Verbot von BPA für
alle Materialien eingeführt, die mit Lebensmitteln für Säuglinge und Kinder in
Kontakt kommen. Betroffen sind zum Beispiel Babyflaschen, Kindergeschirr und
Verpackungen für Baby- und Kindernahrung . Es soll so lange bestehen, bis neue
Studien belegen, dass niedrige Dosen von Bisphenol A keine Auswirkungen auf die
Entwicklung des Nervensystems oder auf das Verhalten von Ratten haben, heißt es
in der Regierungserklärung.
Dies aus Gründen der Vorsorge, nachdem
Sachverständige für Lebensmittelsicherheit Bedenken äußerten, dass auch
Low-Level-Exposition gegenüber dem Stoff die Lernfähigkeit hemmen könnte und
eine Studie an neugeborenen Ratten nachgewiesen hat, dass auch die angeblich
unbedenkliche Dosis von 50 µg/kg Körpergewicht zu Fehlbildungen und
Fortpflanzungsstörungen führen.
Ab 1. Juli 2010 wird es in Dänemark illegal,
Babyflaschen, Geschirr und Verpackung für Babynahrung zu verkaufen, die BPA
enthalten.
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