Verschwendungssucht: Airpower 11 ohne Nachhaltigkeit

Studie widerlegt Märchen vom Geldregen

Am 16. Juni präsentierten KPÖ, Grüne und SJ in Knittelfeld eine Studie, die die Behauptungen von Voves und Schützenhöfer zur ökonomischen Sinnhaftigkeit der Airpower-Flugshow auf ein reales Maß zurechtstutzt.

Lesen Sie hier den Bericht der Kleinen Zeitung über die Studie zur Airpower.

"KP-Stadträtin Renate Pacher spricht die erstmals teilnehmenden Royal Saudi Hawks an: Vielleicht waren es just diese Maschinen, die vor nicht allzu langer Zeit in Bahrain gegen die eigene Bevölkerung vorgegangen sind. Und jetzt finden wir sie super? [...] Den Autoren der Studie ist kaum vorzuwerfen, dem Spektakel unbedingt und mit Absicht einen Strick drehen zu wollen. Das Werk verleiht ihm ein großes Fragezeichen in punkto Nachhaltigkeit und Umwegrentabilität.", schreibt KLEINE-Redakteurin Bettine Oberrainer.

"Weit übertriebene Angaben"

Im Römischen Imperium wurde das Volk mit „Brot und Spielen” versorgt. Im Euro-Imperium macht man Ähnliches, aber man bemüht sich zusätzlich, dem regionalen Bürgertum zu versichern, die Spiele seien "rentabel".

So geschehen durch die Landeshauptleute Voves und Schützenhöfer, die diese militärpolitische Propagandaaktion nicht nur mit 800.000 Euro aus Landesmitteln fördern, sondern auch noch mit weit überhöhten Zahlen bezüglich des regionalwirtschaftlichen und touristischen Nutzens der Veranstaltung operieren.

Den Angaben zur "Wirtschaftlichkeit der Airpower "tritt eine Studie von DI Alexander Fürdös und DI Herbert Seelmann entgegen, die die möglichen Wirtschaftseffekte realistisch nachvollzogen haben. Initiiert wurde dieses Vorhaben von KPÖ und Grünen im Landtag sowie der Knittelfelder Stadträtin Renate Pacher (KPÖ).

Wirtschaftliche Bedeutung der AirPower - Kurzfassung

Heuer findet am 1. und 2. Juli 2011 – bereits zum fünften Mal – die Flugschau am Fliegerhorst Hinterstoisser statt. Die Veranstalter (Österreichisches Bundesheer, Land Steiermark und Red Bull) sprechen – bei Ausgaben ihrerseits von 3,375 Mio. Euro – davon, dass bei erwarteten 300.000 Besuchern die zusätzlichen Nächtigungen in der Region einen Wert von 50.000 erreichen werden und die regionale Wertschöpfung rund 20 Mio. Euro betragen wird.

Die Studie „Wirtschaftlichkeit der Flugshow AirPower11“ kommt jedoch zum Schluss, dass diese Angaben weit überhöht sein müssen, speziell wurde festgestellt:

Die Anzahl der Übernachtungsmöglichleiten inklusive aller Campingplätze (auch jener, die nur wegen der Veranstaltung beim Fliegerhorst Hinterstoisser eingerichtet wurden) liegt in den vier Bezirken Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Murau, die als Untersuchungsregion definiert wurden, insgesamt bei etwa 24.500 (wobei pro Camping-Stellplatz ein Durchschnitt von drei Personen angenommen wurde). Außerdem konnte auch bei Analyse der offiziellen Daten des Landes Steiermark zu den Übernachtungen in den vier Bezirken während der Junimonate 2008 – 2010 im Juni 2009, dem Monat der Veranstaltung AirPower09, nur eine Veränderung von etwa 19.500 zusätzlichen Übernachtungen im Vergleich zum Juni 2008 festgestellt werden. Auch wenn einige der Besucher außerhalb dieser vier Bezirke übernachtet haben, können das infolge der bereits weiten bzw. straßenmäßig schwierigen Distanzen keine hohen Werte gewesen sein. Jedenfalls klafft in jedem Fall eine große Lücke zu den auch damals veranschlagten zusätzlichen 50.000 Nächtigungen!

Noch größer ist die Abweichung jedoch bei der erwarteten monetären Wertschöpfung in der Region: Obwohl als Maximalszenario tatsächlich von den 300.000 Besuchern ausgegangen wurde, konnten nur Einnahmen im Wert von etwa 4,2 Mio. Euro errechnet werden. Auch wenn dieser Wert nur die kurzfristigen Einnahmen der beiden Veranstaltungstage erfasst, können die behaupteten 20 Mio. Euro an regionaler Wertschöpfung sicher auch nicht durch Langzeiteffekte (z.B. neuerliche Besuche der Region infolge positiver Erfahrungen der Besucher) erreicht werden!

Neben diesen ökonomischen Analysen wurde in der Studie auch noch die Verkehrsproblematik untersucht: Geht man von den 300.000 erwarteten Besuchern aus, muss an diesen beiden Tagen mit insgesamt 84.000 Kraftfahrzeugen und 900 Reisebussen, die zur Veranstaltung kommen, gerechnet werden. Neben den ohnehin obligaten Staus und der Problematik der Überlastung der Parkplätze hat das auch entsprechend negative Auswirkungen auf die Umwelt; bei einem geschätzten Treibstoffverbrauch von etwa 660.000 Litern Treibstoff (Benzin, Diesel) werden CO2-Emissionen in der Höhe von über 1.600 t produziert. Zusammen mit dem Ausstoß der Fluggeräte wird mit einer Mehrbelastung von über 2.000 t CO2 in der Region gerechnet! Monetär ausgedrückt würde das gemäß CARBIX (Carbon Index) der Europäischen Energiebörse EEX in Leipzig einem Wert (Schaden) von etwa 33.000 Euro entsprechen.

Alternativen

Abschließend wurde in der Studie noch kurz darauf eingegangen, was um das für die AirPower11 investierte Geld alternativ gemacht werden könnte: Für die 3,375 Mio. Euro Gesamtkosten der AirPower11 könnte man über 50 Personen zusätzlich zwei Jahre lang in der Region beschäftigen, wobei es genug Möglichkeiten gäbe: KindergärtnerInnen und LehrerInnen werden immer gebraucht, aber auch für die Schaffung neuer Arbeitsplätze in der regionalen Industrie (v.a. Holzverarbeitung!) oder im Tourismus (Urlaubsregion Murtal!) wäre das Geld wohl gut investiert.

airpower11 saudi hawks spiele statt brot

vlnr: DI A. Fürdös, DI H. Seelmann, Labg. L. Schönleitner, Labg. C. Klimt-Weithaler

Brot satt Spiele

Podiumsdiskussion, Steuermittel für Waffenschau in Zeiten von Belastungspaketen?

plakat airpower 2011.pdf

Eine Podiumsdiskussion, veranstaltet von SJ, Grünen und KPÖ am Mo. 27. Juni, 19.00  im Weißen Saal des Kulturhauses Knittelfeld beschäftigt sich unter anderem mit den Ergebnissen der Studie.

Alexander Fürdös, einer der Autoren wird dort auch für weitere Fragen bezüglich der "Rentabilität" der Veramstaltung Tede und Antwort stehen.

Es diskutieren:
LAbg. Claudia Klimt Weithaler, Sprecherin der KPÖ Steiermark

NRAbg. Werner Kogler, Sprecher der Grünen Steiermark

Sebastian Pay, Sozialistische Jugend

Ing. Bernhard Hammer, Wirtschaftskammer Steiermark,   Regionalstellenobmann Murtal

Dipl. Ing. Alexander Fürdös, Autor der Studie 
„Wirtschaftliche Bedeutung der Airpower“

Montag, 27. Juni 2011
Kulturhaus Knittelfeld, Weißer Saal
Beginn: 19.00 Uhr

19. Juni 2011