Marxismus für die Arbeiterklasse

Die Marxistische Blätter feierten ihr 50jähriges Bestehen

von Anne Rieger

 

Robert Steigerwald, Mitbegründer und heute noch Redakteur der Zeitschrift, eröffnete vor 120 Gästen in Essen die Geburtstagsfeier der Marxistischen Blätter (MB). Sie sei die älteste in deutscher Sprache erscheinende marxistische Zeitung  für Theorie und Politik.

Er erinnerte, dass die Zeitschrift 1963 während des KPD Verbots gegründet und erfolgreich durch die Untiefen und Klippen des Kalten Krieges gesteuert wurde. Dem seit 1989 enormen Verlust an theoretisch/wissenschaftlichen Know How, versuche sie mit ihren schmalen Mitteln gegen zusteuern. Nun gehe es an die Herausforderungen der nächsten 50 Jahre. Dazu müssten mehr PraktikerInnen in die Arbeit einbezogen werden. Die Zeitschrift wolle sich nicht in erste Linie an Intellektuelle wenden: „Wir sind der altertümlichen Überzeugung, dass die Arbeiterklasse nicht alles ist, dass es aber ohne sie keinen Weg aus dem Kapitalismus geben wird.“ Deswegen müssten Zusammenhänge mit dem konkreten eigenen Leben der Menschen, ihren betrieblichen und gewerkschaftlichen Erfahrungen, in der Zeitschrift aufgegriffen werden.

Dietmar Dath entwickelte in seinem Beitrag „Der das Wissen trägt“ die Notwendigkeit, Erfahrung aufzubewahren und aufzuschreiben. Wer zwar „Wissen trage“, aber keine Foren, keine Plattform, keinen „Blätter“, habe, könne nicht beeinflussen und beurteilen, was mit seinem Wissen geschieht. Er unterstrich Steigerwalds Aussage, dass Sprache exakt und verständlich sein müsse. Das leisteten die MB, die gebraucht würden um Klarheit zu verbreiten. Denn der Kapitalismus müsse in seinen Aussagen unklar bleiben, um sein Gewaltverhältnis zu verschleiern.

Georg Fülberth legte den „doppelten Boden der Marx-Renaissance“ dar. Eingesperrt in den Käfig des 19. Jahrhunderts wird er bürgerlich akademisch „musealisiert“, gelte angeblich nur für die damalige Zeit des Kapitalismus. Andererseits wird auf die hohe Evidenz der Marx Thesen hingewiesen: sowohl die Globalisierung sei eingetreten als auch die Krise. Diese Erkenntnis werde nun im herrschende Interesse gewendet: Wegen der Globalisierung sänken die Löhne und in der Krise müsse gespart werden. So werde marxistisches Wissen in den Mainstream eingemeindet und verharmlost. Als zukünftige Aufgaben der MB definierte er die ökonomische Analyse des BRD Kapitalismus, die Klassenanalyse, und die Perspektiven einer zukünftigen sozialistischen Gesellschaft und die politische Praxis zu untersuchen.

Domenico Losurdo sprach über „Östlichen und westlichen Marxismus“. Sein Vergleich konzentrierte sich auf China, Indochina und Rußland. Aus eurozentristischer Weltsicht sei der Erste Weltkrieg der historische Einschnitt, als Ergebnis der imperialistischer Konkurrenz. Für China und Vietnam aber war es die Kolonialisierung und ihr Kampf um die nationale Befreiung. Aus den daraus folgenden strategischen Entscheidungen nach der Eroberung der Macht hätten sich gravierende Unterschiede zwischen »westlichem und östlichem Marxismus« ergeben. In der anschließenden kontroversen Diskussion ging es vorrangig um die Frage, ob sich China in Richtung Kapitalismus oder Sozialismus bewege.

Anne Rieger untersuchte den „EU-weiten Angriff auf Tarifverträge und die Aufgabe der MarxistInnen im Verteidigungskampf der Gewerkschaften“. Sie stellte Kündigungen, Umgehungen und Verweigerungen von Tarifverträgen durch Konzerne und EU-Eliten vor. Während vor 1989 die Gewerkschaften Tarifverträge kündigten um Lohnerhöhungen zu erreichen, kündigen heute die Herrschenden um Lohnsenkungen durchzusetzen. Ziel des Angriffs auf die Tarifverträge, sei neben der Lohnsenkung eine „Verringerung der gewerkschaftlichen Verhandlungsmacht“ so eine EU-Institution. Für MaxistInnen sei es wesentlich, in der Arbeitsstätte bei Protest mit vorne dabei zu sein, egal ob es um den Kaffeeautomaten oder den Arbeitsplatzabbau gehe. Nur dann werde ihnen auch bei weitergehenden Themen zugehört.

Patrik Köbele, Vorsitzender der DKP, gratulierte und wies in der Diskussion daraufhin, dass Deutschland seit 1989 ein Niedriglohnland sei, verglichen mit seiner Produktivität. Das ergebe Spielraum für die Besänftigung der eigenen Arbeiterklasse im Land und eröffne den Herrschenden das Standortdenken dort zu vertiefen.

Franz Parteder überbrachte die Grüße der Österreichischen GenossInnen. Bei ihnen sei die Zeitschrift immer beachtet und gelesen worden und habe ihre Kämpfe beeinflusst. Mit einem Schmunzeln ergänzte er, sie hat Zustimmung und Widerspruch hervorgerufen.

Der Geburtstag wurde beendet mit dem beeindruckend in deutscher Sprache gesungenen Canto General - Der Große Gesang - von Pablo Neruda und Mikis Theodorakis, vertont vom Trio Quijote aus Chemnitz.

26. November 2013