Warum das steirische Gesundheitssystem in der Krise ist

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Das Grundproblem der Gesundheitspolitik der Landesregierung lässt sich in aller Kürze zusammenfassen: Systematische Ausdünnung in den Regionen führt zu Überlastung in den Zentren. Das Kalkül: Durch die Zusammenlegung, Verkleinerung bzw. Auflassung von kleineren, peripheren Spitalsstandorten wäre mehr Personal für die Zentren in Graz und Leoben frei. Kompensiert werden soll diese verminderte Spitalsversorgung durch einen gestärkten niedergelassenen Bereich – was in der Realität aber nicht passiert.

Die KPÖ kann dieser Argumentation und Herangehensweise von ÖVP und SPÖ nur wenig abgewinnen. „Genau dieser fehlgeleitete Ansatz hat zu den enormen Schieflagen im steirischen Gesundheitssystem geführt. Diese gefährliche Dynamik, die in den zentralen Spitälern in Graz und Leoben natürlich zu Überlastung und chronischem Personalmangel führt, kann nur durch eine Stärkung der Standorte in den ländlichen Gebieten umgekehrt werden. Das würde jedoch eine 180-Grad-Wende der steirischen Gesundheitspolitik erfordern“, so KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler.

In den Augen der KPÖ sind Innere Medizin, Chirurgie und Geburtshilfe Bausteine der Basisversorgung, die in allen Regionen angeboten werden müssen, damit die Zentren für Spitzenmedizin nicht in dem Maß mit Grundversorgung belastet werden, wie es aktuell der Fall ist.

Trugschluss „Flexibles Personal“

Die Annahme, dass in den Regionen durch Ausdünnungsmaßnahmen oder gar Schließungen ganzer Krankenhäuser, wie es der Steirische Gesundheitsplan 2035 vorsieht, „eingespartes“ Personal eins zu eins den zentralen Spitälern zur Verfügung stünde, hält die KPÖ für einen Trugschluss: „Wer ernsthaft glaubt, dass Beschäftigte selbstverständlich von einem Standort in Wohnortnähe zu einem viel weiter entfernten Zentralstandort wechseln werden, irrt sich gewaltig und hat die letzten Jahre offensichtlich geschlafen. Das geht einfach an den Lebensrealitäten der Menschen vorbei“, so Claudia Klimt-Weithaler. Zeitintensives Pendeln an einen anderen Standort oder die Verlagerung des Lebensmittelpunkts sind einschneidende Veränderungen, die keinesfalls als selbstverständlich angenommen werden können.

Das Märchen „Fallzahl = Qualität“

Auch stellt sich die KPÖ gegen die immer wieder ins Treffen geführte Argumentationslinie, dass Fallzahlen der einzig relevante Faktor für die Versorgungsqualität seien. Mehrere Studien haben ergeben, dass bei einem überdimensionalen Ansteigen der Fallzahlen an einem Standort die Qualität nicht steigt, sondern sinkt. Im Gesundheitsprogramm der KPÖ Steiermark hieß es zu dieser Frage bereits im Sommer 2017, also vor mehr als sechs Jahren:

„Unbestritten ist, dass spezialisierte Kliniken absolut zweckmäßig und notwendig sind, um Spezial- und Risikofälle entsprechend behandeln zu können. Die verallgemeinernde Aussage, dass große Spezialkliniken jedenfalls auch für Nicht-RisikopatientInnen sicherer sind, lässt sich nicht belegen. Die alleinige Fokussierung auf die Fallzahl wird der Komplexität der Frage nicht gerecht und beruht im Wesentlichen auf dem Wissensstand der 90er Jahre. Sie ist eine Steuerungsgröße der Gesundheitsökonomie, aber nicht unbedingt der Qualität. Mindestmengen schließen zudem die Versorger aus, die diese Zahlen nicht erreichen und trotzdem eine gute Qualität haben und können die regionale Versorgung verschlechtern.“

Die KPÖ tritt für eine tatsächlich abgestufte Versorgung ein, die folgende Bausteine umfasst:

  1. Genügend Kassenärzt:innen in allen Teilen des Landes
  2. Wesentlich mehr und gut ausgestattete Primärversorgungszentren bzw. Ambulatorien
  3. Basiskrankenhäuser in allen Regionen (Interne, Chirurgie, Geburtshilfe, evtl. Spezialisierungsgebiet) für die Grundversorgung
  4. Zentren für Spitzenmedizin (Uni-Klinikum Graz und Schwerpunktspital Leoben), die aber nicht mit der Basisversorgung überlastet werden dürfen

7. Februar 2024