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KPÖ Steiermark | Themen | Die zunehmende Diskrepanz zwischen Marx‘ theoretischen Erkenntnissen und der tagespolitisch tätigen Arbeiterbewegung

Die zunehmende Diskrepanz zwischen Marx‘ theoretischen Erkenntnissen und der tagespolitisch tätigen Arbeiterbewegung

Das neue Buch von Mark Staskiewicz spannt die Brücke zwischen historischer Analyse, Erkenntnissen zur Dialektik von Theorie und Praxis und den künftigen Aufgaben für die Kräfte die den Sozialismus als historische Alternative zum Kapitalismus anstreben. Dazu ist das Werk in drei Teile untergliedert. Es trägt den Untertitel: Über die Parteitage in Gotha bzw. Hainfeld. Und über die Bedeutung der theoretischen Arbeit für die Durchsetzung des gesellschaftlichen Fortschritts sowie die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus“.


Teil A Historische Untersuchung der zunehmenden Diskrepanz zwischen Marx‘ theoretischen Erkenntnissen und der primär tagespolitisch tätigen Arbeiterbewegung

Im Vorwort heißt es: „Wie sind die theoretischen Erkenntnisse von Marx in der Arbeiterbewegung eigentlich aufgenommen worden? Wurden die marxschen Schriften von den FührerInnen der Arbeiterbewegung studiert und angewendet? Oder warum gab es eine zunehmende Diskrepanz? Was sind die Folgen einer solchen Diskrepanz?“

Nach einer Darstellung der politökonomischen Situation widmet sich der Autor Marx und Engels zu und stellt deren Entwicklung über den Bund der Kommunisten bis zur Fertigstellung des Kapitals dar.

Er widmet sich der Frage, inwieweit historische Programme, wie das Eisenacher der SDAP und später das Gothaer-Programm (der Vereinigung von SDAP und Lassalleanern) bzw. das Hainfelder-Programm (in Österreich) theoretisch auf der Höhe ihrer Zeit waren oder nicht. Genauer betrachtet wird auch die Kritik von Marx an Lassalle sowie die Rolle bzw. Kritik bei der Vereinigung von SDAP und Lassalleanern in Gotha.

Wusstest Du, dass es vor der Vereinigung von Eisenachern und Lassalleaner eine Absprache gab, sich gegenseitig nicht zu kritisieren? Wie gingen Bebel und Liebknecht mit der Kritik am Gothaer Programmentwurf um?

Mark Staskiewicz ordnet die Rolle und Tätigkeit von August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Viktor Adler neu ein. Hier unterscheidet sich seine Einschätzung von bisher bekannten Einschätzungen in der Arbeiterbewegung. Er zeigt auf, dass Führer der Arbeiterbewegung zu Marx‘ Lebzeiten sich wenig oder nur in gewissen Situationen mit den Schriften von Marx befasst haben. So wurde z.B. der erste Band des Kapitals nur im Gefängnis gelesen, weil man so mit der praktischen Arbeit beschäftigt war, dass man für die Theorie keine Zeit hatte. Der Autor beantwortet auch die Frage warum Marx und Engels nicht der in Gotha gegründeten Partei beitraten.


Teil B: Ohne revolutionäre Theorie, keine revolutionäre Bewegung

Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben. (Lenin) Zu dieser Erkenntnis kommt der Autor dieses neuen Buches ebenfalls.

Mark Staskiewicz zeigt der Leserschaft auf was Praktizismus ist und warum dieser vom Standpunkt des gesellschaftlichen Fortschritts aus zu kritisieren ist. Er weist nach, dass ohne Theorie und Wissenschaft keine bewusst geschaffene Alternative zum Kapitalismus zu erkämpfen ist.

Das Bewusstsein ist zwar das höchste Produkt der Materie der Natur (Materie = primär/ Bewusstsein = sekundär), aber die Theorie und Wissenschaft ist für die Erkämpfung und Durchsetzung der Alternative notwendig. Deshalb widmet er sich der Frage, inwieweit es auch heute Kader bzw. Wissenschaftler in der Arbeiterbewegung braucht.

Die dialektische Einheit von Theorie und Praxis wird dargestellt bevor der Autor aufzeigt, dass wir aktuell in einer Situation der theoretischen Schwäche der Bewegung sind. Der Autor will aber motivieren die Notwendigkeit der theoretischen Arbeit zu akzeptieren und auch dieser Aufgabe gerecht zu werden. Er zeigt auf, dass man nicht bei den Erkenntnissen von Marx und Engels stehen bleiben darf, sondern dass der dialektische und historische Materialismus, die politische Ökonomie und den wissenschaftlichen Sozialismus stets weiterentwickelt werden müssen. Im Unterkapitel 17.4 widmet er sich der Frage der heutigen Hauptaufgaben zu. Darin heißt es u.a., dass es primär darum geht:eine theoretische Klarheit darüber zu bekommen, was der Sozialismus ist und wie er funktioniert. Dazu gehört es auch, seine ökonomischen Gesetze zu bestimmen. Wir müssen nachweisen, wie der Sozialismus funktionieren und produktiver als der Kapitalismus sein kann.“

 

Teil C: Muss der Sozialismus produktiver als der Kapitalismus sein?

In diesem letzten Teil widmet sich der Autor der Frage zu, was ist eine ökonomische Gesellschaftsformation ist. Er zeigt auf, wie sich der Untergang und die Abfolge von den ökonomischen Gesellschaftsformationen Urgesellschaft bis zum Kapitalismus vollzogen hat. Und nennt Staskiewicz nennt Gründe, warum der Sozialismus eine höhere Produktivität vorweisen muss als der Kapitalismus.


An wen wendet sich das Buch? An alle die eine Alternative zum Kapitalismus erkämpfen wollen. Das Buch ist ohne größere Vorkenntnisse lesbar. Es gibt viele Hinweise und Quellenangeben, wenn man sich vertieft mit der Frage beschäftigen will. Es wendet sich an alle, die bereit sind, ihre derzeitigen Schwerpunkte im Bereich der praktischen und theoretischen Arbeit selbstkritisch zu reflektieren. 

 

Das Buch: Die zunehmende Diskrepanz zwischen Marx theoretischen Erkenntnissen und der tagespolitisch tätigen Arbeiterbewegung ist Ende August 2021 im Verlag we-progress (Graz)  erschienen.

Herausgeber: Mark Staskiewicz, MSc 
ISBN 978-3-200-07209-1
712 Seiten, gebunden
Preis: 25 € + Porto  (eBookversion = 20 €)
Verlag we-progress

Bezug: Ausschließlich über den Eigenverlag we-progress.
mail@we-progress.at

Postanschrift:
we-progress e.U.
Liebenauer Hauptstr. 166g/8
8041 Graz, Österreich
 

Der Autor ist Mitglied der KPÖ und für den Gewerkschaftlichen Linksblock (GLB) im Arbeitskreis für Pflege- und Sozialberufe der Arbeiterkammer Steiermark. Er engagiert sich in der Sozialraumarbeit, u.a. als Obmann eines Nachbarschaftsvereines mit über 100 Mitgliedern. Bei der Gemeindewahl in Graz kandidierte er im Bezirk Liebenau auf Platz 3 und in der Stadt auf Platz 80 der KPÖ-Liste.
Sein letztes Buch trägt den Titel „Soziales Netzwerk, Sozialraumorientierung, Inklusion und gesellschaftlicher Fortschritt“ und ist ebenfalls in seinem Verlag we-progress erschienen.

21. September 2021