Masterplan Pflege? Ankündigungen alleine reichen nicht!

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Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler übergibt Landesregierung die über 4.500 Kommentare von Betroffenen unter der Petition „Pflege in Gefahr - Hände weg vom steirischen Pflegeschlüssel“.

Seit Wochen formiert sich in der Steiermark breiter Widerstand gegen die Pläne der Landesregierung, den Pflegepersonalschlüssel abzusenken. Eine solche Maßnahme würde die ohnehin angespannte Situation in den Pflegeheimen weiter verschärfen. Denn bereits jetzt liegt der steirische Mindestpersonalschlüssel deutlich unter anderen Bundesländern, insbesondere verglichen mit Wien. Laut Pflegeombudschaft stellt diese Mindestausstattung lediglich sicher, dass die Pflege nicht gefährlich ist und keine unmittelbaren Schäden entstehen. Für echte zwischenmenschliche Beziehungen sowie die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse reicht sie jedoch nicht aus.

Daher schlagen KPÖ, Pflegekräfte, Angehörige, Bewohner:innen und Unterstützer:innen seit Wochen Alarm: An der Demonstration gegen die blau-schwarzen Einschnitte beteiligten sich am Samstag in Graz rund 400 Personen. Eine Petition gegen die drohende Verschlechterung zählt mittlerweile über 9.000 Unterschriften und mehr als 4.500 Kommentare. Die folgenden Wortmeldungen geben nur einen kleinen Einblick in die breite Kritik und die Sorgen der Betroffenen:

Kümmern Sie sich einmal um 46 Bewohner in der Nacht allein, wovon mindestens 15 dement, schwer sturzgefährdet oder die Tendenz haben davonzulaufen, kümmern Sie sich mal um 10 Bewohner gleichzeitig bei der Morgenversorgung, waschen, essen geben usw. Es bleibt keine Zeit auf die Bedürfnisse jedes Bewohners einzugehen, jeder der involviert ist den Pflegeschlüssel zu reduzieren, den lade ich ein einmal eine 12 Stunden Dienst mit mir zu machen.

Arbeite selbst in der Pflege, eine Kürzung des Personals würde den Pflegepersonen und vor allem den Patienten schaden! Nach und nach würden viele Pflegekräfte diesen Beruf verlassen, weil es körperlich aber auch psychisch nicht mehr zumutbar ist. Wir Menschen sind keine Roboter!!!! Und jeder verdient es gut und gewissenhaft versorgt zu werden, was jedoch nicht mehr möglich sein wird, wenn der Pflegeschlüssel verändert wird. Ich würde mir wünschen, dass diese Politiker alle für 1 ganzen Tag mitgehen würden, um zu sehen, was jeder Mensch im Pflegeberuf tagtäglich, egal ob tagsüber oder nachts, am Wochenende, und auch an allen Feiertagen leistet. Das ist kein Beruf bei dem man einfach mal Pause machen kann. Immerhin geht es um die Gesundheit, das Wohlergehen und die Bedürfnisse der Menschen.

Wir sind bereits am Limit. Der steirische Schlüssel ist ohnehin zu niedrig. Auch ich werde die Pflege verlassen, wenn weiter reduziert wird. Wir sind nicht zum Verheizen da!

Meine Mutter lebt in einem Pflegeheim und ich möchte, dass sie die notwendige Betreuung auch weiterhin in ausreichender Form erhält. Gleichzeitig soll aber auch die anstrengende und fordernde Arbeit des Pflegepersonals nicht noch größer werden. Wann wird diese Arbeit endlich entsprechend wertgeschätzt und entlohnt?

Masterplan Pflege: Ankündigung mit Fragezeichen

Dass die KPÖ mit ihrer Kritik bei der blau-schwarzen Landesregierung einen Nerv getroffen hat, zeigt die Ankündigung eines „Masterplan Pflege“ – ausgerechnet einen Tag vor der Demonstration am vergangenen Wochenende. Dabei hätte es bereits zuvor ausreichend Gelegenheiten gegeben, entsprechende Konzepte vorzulegen. Die zeitliche Nähe zur Protestaktion macht also deutlich: Der Druck zeigt Wirkung. Doch wird sich die KPÖ nicht mit großen Überschriften und leeren Worthülsen zufriedengeben. Bislang ist nämlich völlig offen, welche konkreten Maßnahmen dieser „Masterplan“ enthalten soll, wer in die Ausarbeitung eingebunden wird und ob geplante Verschlechterungen beim Pflegepersonalschlüssel tatsächlich ausgeschlossen sind – zumindest schließt der zuständige Landesrat Kornhäusl diese nicht dezidiert aus.

KPÖ-Klubobfrau Claudia Klimt-Weithaler macht im Zuge der Sitzung klar: „Wir werden es sicher nicht hinnehmen, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege verschlechtert werden. Wir kämpfen für eine Erhöhung des Personalschlüssels. Warum soll das, was in Wien möglich ist, nicht auch in der Steiermark möglich sein? Wir kämpfen für eine pflegefachlich argumentierte, nachvollziehbare Personalausstattungsverordnung in den Pflegeheimen, für eine Verordnung für Nachtdienste, die eine pflegewissenschaftliche Grundlage hat. Es darf keine gewinnorientierten Heime mehr geben und beim Gehalt braucht es steiermarkweite Zulagen, um die jeweiligen Kollektivverträge auf Kages-Niveau zu heben. Das sind Punkte, die ein „Masterplan Pflege“ enthalten sollte!“

Veröffentlicht: 10. Februar 2026