Otmar Hofer 1926–2018

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Das Leben Otmar Hofers hat sich nun vollendet. Aber in den Herzen seiner Familienangehörigen, in den Erinnerungen und Gedanken seiner Genossen und Freunde, lebt Genosse Hofer weiter.

Mit Genossen Hofer ging ein Kommunist, Antifaschist und Internationalist von uns. Er stellte aus tiefster Überzeugung heraus sein Leben in den Dienst der Arbeiterklasse sowie in den Kampf für Frieden und Sozialismus. Er wollte, dass die Menschen in sozialer Sicherheit, in Geborgenheit und Würde leben und arbeiten könnten. Diesen Idealen fühlte er sich bis zuletzt verpflichtet.

Als Genosse Hofer 1960 der KPÖ beigetreten ist, war er schon gewerkschaftlich aktiv und politisch geprägt. Das positive Wirken der kommunistischen Funktionäre wie Hans Terler überzeugten und politisierten ihn zunehmend. Daneben bildete er sich durch die Lektüre der marxistischen Klassiker weiter. Er las Lenin – und vor allem das Wichtigste – er verstand ihn auch. Er besuchte Gewerkschaftskurse und wurde so einer der aktivsten und angesehensten Betriebsfunktionäre des Gewerkschaftlichen Linksblocks nicht nur im VÖEST-Alpine Bereich. Sein Wissen und Engagement gipfelte in einem weit über die Kindberger Grenzen hinaus beachteten Wahlerfolg bei den Betriebratswahlen Ende der 70er Jahre wo er 4 Mandate für den Gewerkschaftlichen Linksblock erreichen konnte, ohne diese auch besetzen zu können.  

Seine gewerkschaftliche Tätigkeit für seine Kollegen endete erst am Tag seines Pensionsantritts mit einer bitteren Feststellung. Nämlich, dass er sein Leben lang für die Arbeiter im Betrieb gekämpft hatte, aber letztendlich trotz aller Anerkennung und viel Schulterklopfen feststellen musste, dass sich niemand fand der seinen Kampf im Betrieb fortsetzte. In jener Zeit waren Courage und Engagement nicht gerade die vorherrschenden Charakterzüge.

Seine parteipolitische Tätigkeit führte Genossen Hofer bald nach dem Beitritt in die Bezirksleitung und kurz darauf sogar in das Sekretariat der KPÖ Mürzzuschlag. Infolge wurde Genosse Hofer auch Mitglied in der steirischen Landesleitung. Überall wo er wirkte eilte ihm der Ruf des prinzipienfesten, streitbaren Betriebsfunktionärs voraus. Einer, der mit seiner hemdsärmeligen Kritik nicht nur sozialdemokratischen Betriebskaisern und Werksdirektoren auf die Zehen steigen konnte, sondern auch innerhalb der KPÖ eine kritische Position gegen, seiner Meinung nach falschen und selbstzerstörerischen Entwicklung, erarbeitet hat.

Genosse Hofer litt mehr als viele andere KP-Funktionäre unter dem Niedergang der UdSSR und der sozialistischen Länder. Er erkannte früh, dass das Verschwinden der Sowjetunion mit der nunmehr uneingeschränkten Macht des Kapitals einher gehen wird, dass sogar ein Krieg in Europa wieder Realität werden konnte.

In diese Zeit fiel aber auch die große bauliche Sanierung der in einem schlechten baulichen Zustand befindlichen Bezirksleitung in Mürzzuschlag. Genosse Hofer war der „Projektleiter“ des Umbaus, er war derjenige, der den jungen Genossen erklärte, wie man Schaufel und Krampen bediente, ohne sich dabei weh zu tun und der in den Pausen argumentierte warum, Gorbatschow mit seiner Politik die Sowjetunion zu Grunde richtet. Und er stellte darüber hinaus die Frage, warum die seinerzeitige KP-Führung nichts dagegen machte.

Das Haus der Bezirksleitung Mürzzuschlag wurde saniert und steht heute schön und attraktiv da – ohne Genossen Hofer würde es heute nicht so sein.

In den letzten Jahren konnte die KPÖ in Kindberg auf kommunalpolitischer Ebene wieder Fuß fassen, sogar ein Mandat im Kindberger Gemeinderat wurde erreicht und nach Jahrzehnten wieder eine kommunistische Grundorganisation ins Leben gerufen. Dies durfte Genosse Hofer noch erleben. Leider ließ es sein Alters- und Gesundheitszustand nicht mehr zu, sich aktiv daran zu beteiligen.  

Das Leben Otmar Hofers hat sich nun vollendet. Aber in den Herzen seiner Familienangehörigen, in den Erinnerungen und Gedanken seiner Genossen und Freunde, lebt Genosse Hofer weiter. Sein politisches Vermächtnis ist:

Weiter wirken für ein internationalistisches Denken und Handeln, seine Erfahrungen, die Lehren aus seinem unermüdlichen Kampf und seine unbeugsame Zuversicht an Sozialismus und Frieden zu glauben, auch wenn der erste Versuch vorerst einmal gescheitert ist.

Wir sind stolz Genossen wie dich gehabt zu haben und werden deinen Kampf weiterführen!

13. Juni 2018