I wü a Göd

Immer gehts es um das Geld

Es geht immer nur um das liebe Geld. Das sagen viele Leute; kritisch oder zustimmend – je nachdem.
Die kritischen Leute ärgern sich darüber, dass sie kein Geld haben und fragen, wo es wohl hingekommen sein mag.  Die Kommunisten gehen noch weiter.

Franz Stephan Parteder
 
„Who took the money away ?“

(Artikel für die Zeitschrift “Schreibkraft, 2007)
 
 
Es geht immer nur um das liebe Geld. Das sagen viele Leute; kritisch oder zustimmend – je nachdem.
Die kritischen Leute ärgern sich darüber, dass sie kein Geld haben und fragen, wo es wohl hingekommen sein mag.  Die Kommunisten gehen noch weiter. Die Anhäufung von Geld und Kapital auf der einen Seite ist die Ursache des Elends und der Geldsorgen auf der anderen Seite wird behauptet – im übrigen sei das nur Ausdruck des Kapitalverhältnisses und Verschleierung der Tatsache, dass Geld „Mehrwert heckender Wert“ (Originalton Karl Marx) ist.
 
So: Wenn John Lennon singt, dass er den ganzen Tag arbeiten würde, damit er genug Geld bekommt, um seiner Geliebten Sachen zu kaufen (A Hard Days Night) beschreibt er den äußeren Anschein der Dinge. „Net ois wos an Wert hot, muaß a an Preis hom“. Das behauptet wiederum W. Ambros in seinem Lied A Mensch meicht i bleim. Heutzutage ist das eine Wunschvorstellung: „Dass du mi gean host, hob i gean mai Schnoin, owa dafau kaunn i ka Rechnung zoin. I wü a Göd“ (Money). Alles ist der Kapitalverwertung unterworfen, ein Ausweg ist nicht in Sicht. Aber ein Blick auf die Hitparade der hundert reichsten Österreicher oder auf die Gehaltslisten der Top-Manager zeigt, wo das Geld geblieben ist.
 
Im Zeitalter der Bankomaten und der Konto-Einziehungsaufträge sollten wir eigentlich begreifen, dass Geld keine Sache ist, sondern ein Zeichen. Wofür? Das sagt uns auch der alte Karl Marx. Er traktiert uns im ersten Band des Kapitals so lange, bis wir begreifen: Geld, das ist eine Ware. Sie hat einen ganz bestimmten Gebrauchswert, den keine andere Ware hat: Nämlich den, als universelles Äquivalent für alle Waren zu gelten. Alles: Vom Lebensmittel, über das Wohnen, bis zu menschlichen Beziehungen und der Kunst, wird in Geld ausgedrückt. Ich kann den Tauschwert einer Hose, die in Vietnam hergestellt wurde, mit dem Tauschwert des teuersten Gemäldes vergleichen und brauche weder von der Schneiderei noch von der Malerei eine Ahnung zu haben.
Die Kinks haben das begriffen. Es hat ihnen nicht gefallen. Und deshalb wollte Ray Davies seinerzeit in den Dschungel: „I´ll be Your Tarzan and You´ll be my Jane, I keep You warm and You keep me sane“. So heißt es in dem entsprechenden Lied (Apeman). Und damit hat Ray Davies ganz schön viel Geld verdient.

29. Februar 2008