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Gespenster

Kolumne von Günter Traxler im Standard, 22.9.2005

Beim Kommunismus in Gestalt von Kaltenegger wissen Christlichsoziale und Sozialdemokraten nicht mehr so recht, ob sie beim Exorzismus bleiben oder auf Beschwörung wechseln sollen.

In den letzten Tagen vor der Wahl hat eine richtige Hatz auf kommunistische Ahnln eingesetzt. Der ÖVP-Generalsekretär ließ einen waschechten Lopatka vom Stapel, als er im Versuch, Waltraud Klasnics Job zu retten, von Bodenhaftung auf Sippenhaftung umstieg und den Vater des SP- Spitzenkandidaten als Kommunisten enttarnte. Aber in ihrer ganzen Tragweite zeigt sich die teuflische Wirksamkeit dieser Ideologie auf steirischem Boden darin, dass auch Frank Stronachs Vater Kommunist war. Wenn das solche Folgen haben kann, dann versteht man es, wenn Martin Bartenstein beim Gedanken an einen kommunistischen Landesrat in der Steiermark ganz übel wird. Weiß man doch, dass dann nicht nur die "Vollverstaatlichung" so gut wie gewiss ist, sondern dass kein Schuhgeschäft im Lande einem Bartenstein mehr Rabatt gewährt. Kommunismus kann ganz schön brutal sein.

Es ist daher gut, dass die Volkspartei sich zunehmend vom vertrauten Albdruck Gerhard Hirschmann befreit fühlen darf – das wird schon, sollte es nach der Wahl auf ihn ankommen – und sich in der Schlussphase des Wahlkampfes endlich der rot-roten Gefahr besinnt. Wer weiß, Frau Klasnic hätte sich eventuell glatt von Kaltenegger zur Landesmutter küren lassen, wäre Bartenstein nicht noch rechtzeitig übel geworden.

23. September 2005