Der lange Weg zur Wahlurne

90 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich

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Bild: www.demokratiezentrum.org;
Quelle: Stiftung Bruno Kreisky Archiv

Seit 90 Jahren dürfen Frauen in Österreich wählen. Ihr Recht auf demokratische Mitbestimmung musste hart erkämpft werden.

Sind Politik und die „weibliche Natur” überhaupt vereinbar? Sind Frauen nicht generell „geistig unmündig”? Mit solchen und ähnlichen Fragen versuchte noch zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die – männliche – Obrigkeit, die Einführung des Frauenwahlrechtes in Österreich zu verhindern.

Die bürgerliche Revolution von 1848 hatte erstmals eine Verbesserung der politischen Mitspracherechte gebracht. Dies galt aber nicht für Frauen, denen generell die wirtschaftliche und soziale Eigenständigkeit abgesprochen wurde. Im Februar 1861 wurde das sog. „Februarpatent” erlassen. In einem Zweikammernsystem waren einerseits die Hocharistokratie, andererseits das begüterte Bürgertum vertreten. Die wenigen wohlhabenden Frauen waren zwar theoretisch wahlberechtigt, allerdings wurden ihnen in der Praxis zumeist der Zugang zum Wahllokal verweigert, sodass sie ihr Stimmrecht über männliche Bevollmächtigte wahrnehmen mussten.

Versammlungs-Verbot

In den Folgejahren wurde das Männerwahlrecht schrittweise ausgeweitet. Frauen wurden aber immer deutlicher an den Rand gedrängt. So verbot z. B. das Vereins- und Versammlungsrecht „Ausländern, Frauenspersonen und Minderjährigen” die Mitgliedschaft in politischen Organisationen ausdrücklich.

Politischer Ausschluss am Höhepunkt

Als 1907 das allgemeine gleiche Männerwahlrecht eingeführt wurde, erreichte der Ausschluss von Frauen von jeglicher politischen Mitbestimmung seinen Höhepunkt. Selbst die wenigen, zuvor wahlberechtigten Großgrundbesitzerinnen, durften nun nicht mehr wählen.

Doch immer lauter wurden die Stimmen, die eine politische Mitbestimmung von Frauen einforderten. 1910 wurde auf der internationalen Frauenkonferenz beschlossen, alljährlich einen Frauentag für den Kampf um das Frauenwahlrecht durchzuführen, der im Jahr 1911 erstmals mit zahlreichen Massendemonstrationen begangen wurde. Trotzdem sollte es bis zu dessen Durchsetzung noch fast ein Jahrzehnt dauern.

Endlich wählen!

Während der Abwesenheit der Männer in den Kriegsjahren drangen Frauen in alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vor. Zudem setzte nach Kriegsende eine allgemeine gesellschaftliche Umbruchstimmung ein. Schließlich konnte den Frauen das Wahlrecht nicht mehr länger vorenthalten werden. Am 12. November 1918, zugleich mit der Ausrufung der Republik, wurde endlich das „allgemeine, gleiche, direkte und geheime Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts” beschlossen.

Am 16. Februar 1919 wählten Frauen zum ersten Mal.

Um das Wahlverhalten von Frauen beobachten zu können, gab es für Männer und Frauen anfangs verschiedenfarbige Kuverts. – Bei den Wiener Landtags- und Gemeinderatswahlen wurde diese Gepflogenheit sogar bis zum Jahr 1996 beibehalten!

8. März 2009