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Franz Leitner • 1918 – 2005

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Franz Leitner am 1. Februar 2005 © Von Dnalor 01 - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30124315

Franz Leitner: Antifaschist, KZ-Überlebender, ehem. KPÖ-Landtagsabgeordneter, „Gerechter unter den Völkern“ – Heute vor 15 Jahren endete sein bewegtes Leben.  „Eine Ehrung seitens der Stadt Graz in Form der Benennung einer Straße oder eines Platzes ist längst fällig!“, fordert die Grazer KPÖ-Gemeinderätin Elke Heinrichs an seinem heutigen Todestag. „In Zeiten, in denen oftmals der Mangel an Vorbildern und Werten bedauert wird, gilt es verstärkt das Leben und Wirken von Menschen aufzuzeigen und zu ehren, die sich getreu ihres humanistischen Weltbildes für anderen Menschen heldenhaft eingesetzt haben.“

Franz Leitner wurde schon mit 18 Jahren aus politischen Gründen vom austrofaschistischen Ständestaat inhaftiert. Nach dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland erfolgte seine Verhaftung und Deportation ins KZ Buchenwald. Als Blockältester des „Kinderblocks“ rettete er vielen jüdischen Kindern das Leben. Für diese große Leistung erhielt er 1999 in Yad Vashem die höchste Auszeichnung für Menschen nicht-jüdischer Herkunft: Er wurde als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Franz Leitner war auch aktiv an der Selbstbefreiung der KZ-Häftlinge in Buchenwald beteiligt.

Nach dem Krieg wurde Franz Leitner Vizebürgermeister und KPÖ-Stadtrat in Wiener Neustadt. Er übersiedelte später nach Graz, wo er in den Jahren 1961 bis 1970 als Abgeordneter zum Steirischen Landtag tätig war. Des Weiteren wirkte er im Präsidium des Bundesverbandes der ehemaligen Österreichischen WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus. Franz Leitner war Träger des Menschenrechtspreises des Landes Steiermark und des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Wien.

Im Filmdrama „Nackt unter Wölfen“, nach dem gleichnamigen Roman von Bruno Apitz, wird die Geschichte von Stefan Jerzy Zweig erzählt, der als Dreijähriger nach Buchenwald kam. Es war Franz Leitner, der das Leben des Buben retten konnte.

An den kommunistischen Widerstandskämpfer Franz Leitner wurde am 16.8.2016 im Rahmen einer Gedenkveranstaltung erinnert. 2018 folgte vor der Grazer Lagergasse 29 eine Stolpersteinverlegung, mit dem Hinweis auf die Verlegung des Stolpersteins an seinem Heimatort Wiener Neustadt. Die Dokumentation „Leben und Wirken von Franz Leitner“ wurde erst kürzlich wieder auf ORF III gezeigt.

„Bereits 2015 hat Mag. Andreas Fabisch einen Antrag auf Benennung einer Verkehrsfläche nach Franz Leitner gestellt. Heute, an Franz Leitners 15. Todestag, möchte ich der Dringlichkeit dieser Forderung unbedingt Nachdruck verleihen!“, unterstreicht die Grazer Gemeinderätin Elke Heinrichs eine langjährige Forderung der KPÖ.

Schließen möchten wir mit einem Zitat von Franz Leitner, das seine unerschütterliche antifaschistische Grundhaltung zum Ausdruck bringt und uns allen als Auftrag dienen soll, den Kampf für eine gerechtere Welt ohne Krieg, Unterdrückung und Faschismus in Franz Leitners Sinne weiterzuführen:

„Wir, die letzten noch lebenden Augenzeugen der Verbrechen des Nazismus, rufen Euch zu: ‚Unsere schwere Vergangenheit darf niemals die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder werden!‘“

– Grußadresse von Franz Leitner zum 60. Jahrestag der Befreiung des KZs Buchenwald, 11. April 2005

22. Oktober 2020