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"Die Angst war ständiger Begleiter"

Steirerinnen im Widerstand (Kurier, 15. Mai 2007)

Mehr als ein Jahr lang saß Maria Cäsar in Haft. Verurteilt wegen der Vorbereitung zum Hochverrat. "Der Tatbesand war schon dadurch erfüllt, dass wir gesagt haben, wir sind nicht die Ostmark, wir sind Österreich."

Bericht von Elisabeth Holzer (Kurier)
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Widerstand gegen das NS-Regime hatte viele Gesichter, die Spannbreite war groß: Politische Handlungen in organisaierten Gruppen, Anhören von ausländischen Rundfunksendungen oder Menschen helfen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden.

Doch viele dieser Gesichter stehen heute im Schatten: Die Rolle der Frauen im Widerstand oder die weiblichen Opfer der Konzentrationslager sind kaum erforscht, bedauert der Grazer Historiker Heimo Halbrainer. So gebe es für die Steiermark noch immer keine größere Studie über den Widerstand gegen die Nazis, die Namen  der Steirerinnen im Frauen-KZ Ravensbrück sowie in den beiden steirischen Frauenlagern seien weitgehend unbekannt.

Ausgehend von einer Veraunstaltungsreihe soll ein neues Buch beginnen, diese Lücken zu schließen: "Viele dieser Frauen wurden zu Nummern degradiert, ehe sie ermordet wurden. Ihnen ihre Namen wieder zu geben, ist das Hauptanliegen", sagt Halbrainer über "Die im Dunkeln sieht man doch".

Maria Cäsar, Ehrenobfrau des steirischen KZ-Verbandes, war eine dieser WiderstandskämpferInnen. Im obersteirischen Judenburg zu Hause, kam sie über Verwandte in Kontakt zu Partisanen in Jugoslawien. Cäsars Aufgabe wurde es, sie mit Kleidung und Medikamenten zu versorgen.

Nach einer Verhaftungswelle musste sie untertauchen, ihren kleinen Sohn bei seiner Großmutter zurücklassen. "Die Angst war damals unser ständiger Begleiter", erinnert sich Cäsar. Vor allem, als Kollegen verhaftet wurden, denn die Schergen der Gestapo waen "weitaus grausamer" als befürchtet: "Es waren perfekte Psychoterroristen."

Wie viele Steirerinnen im Widerstand waren, lässt sich nur schätzen. Zeithistoriker Halbrainer meint, dass ein Viertel der Widerstandskämpfer weiblich war. Ableiten lasse sich das aus der Zahl der Verurteilungen. Ebenso unbekannt war bisher die Zahl der Steirerinnen im Frauen-KZ Ravensbrück: Jüngste Forschungsarbeiten erfassen 160 Frauen namentlich. Drei Viertel von ihnen wurde wegen politischer Betätigung gegen das Regime eingeliefert.

Eine war Luise Reiter aus Leoben, die eine Freundin bei der "Freiheitsbewegung" hatte: Zunächst von der Gestapo misshandelt, kam sie Mitte 1944 ins KZ. "Noch heute fehlen mir die Worte, um die ganze seelische Not zu schildern", schreibt Reiter. "Täglich starben hunderte Frauen und der Verbrennungsgeruch der Leichen zog über das ganze Lager hin."

15. Mai 2007